Sie sind hier

06.03.2023
Positionspapier

Armutsrisiken von Pflegeeltern vermeiden!

Fachliche Positionierung der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) "Systemimmanente Armutsrisiken von Pflegeeltern vermeiden! Elterngeld für Pflegeeltern einführen und Rentenbeiträge absichern"

Info der IGFH zum Positionspapier

Pflegefamilien bieten Kindern aus anderen Familien im Auftrag der öffentlichen Jugendhilfe in ihrer privaten Familie einen Ort des Aufwachsens. Nicht wenige Pflegefamilien nehmen über Jahrzehnte bis zum Rentenalter Kinder in ihren Familien auf und widmen sich so fast ihr ganzes Leben dieser bedeutsamen zivilgesellschaftlichen Aufgabe – auf die der Staat auch angewiesen ist und für die er Verantwortung trägt. Pflegeeltern erhalten ein monatliches Pflegegeld, welches von dem zuständigen Jugendamt ausgezahlt wird. Trotz dieses Pflegegeldes und weiterer möglicher Zuschüsse sehen sich Pflegeeltern jedoch einem systemimmanenten Armutsrisiko gegenüber: Pflegefamilien bekommen gegenwärtig kein Elterngeld oder sonstige finanzielle Leistungen zu Beginn der Versorgung und Begleitung der jungen Menschen. Gleichzeitig brauchen Pflegeeltern dafür aber viel Zeit, Kraft und Ressourcen, sodass das Engagement der Pflegeeltern oft mit weniger Erwerbsarbeit einhergeht und sie somit deutlich weniger Rentenansprüche erwerben. Dies macht die Pflegekinderhilfe nicht nur unattraktiv für Familien, sondern führt zu vermeidbaren Armutsrisiken für die Pflegeeltern.

Die IGfH fordert daher die…
  • Einführung der Elterngeldzahlung für Pflegeeltern, wie es der Koalitionsvertrag „Mehr Fortschritt wagen“ der aktuellen Bundesregierung vorsieht (S. 79).
  • Anpassung der finanziellen Leistung für die Alterssicherung an einen Betrag, der das dauerhafte zeitliche Engagement der Pflegeperson berücksichtigt und sie vor drohenden Altersrisiken schützt, von der meist Frauen betroffen sind.
  • Einführung der Anerkennung von Versicherungszeiten in der Renten- versicherung in der Bereitschaftspflege und über den 36. Lebensmonat des Kindes hinaus (in der Vollzeitpflege).

Die fachliche Positionierung der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen ( IGfH ) und ihrer Fachgruppe Erziehungsstellen/ Pflegefamilien zeigt: Die Pflegekinderhilfe darf nicht zu systemimmanenten Armutsrisiken für Pflegeeltern führen! Pflegefamilien müssen auskömmlich finanziell abgesichert und als Familienform in der Vielfalt von Familienkonstellationen anerkannt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Stellungnahme

von:

Stellungnahme der Obersten Landesjugendbehörden zur SGB VIII - Reform

Reaktion der Landesjugendbehörden auf das Arbeitspapier des Bundesfamilienministeriums vom 23. August 2016. Dieses Papier stellt keine abschließende Stellungnahme dar. Es enthält die Punkte, die unter den Ländern mehrheitsfähig sind.
Nachricht aus Hochschule und Forschung

CLS Soziale Teilhabe im Lebensverlauf junger Erwachsener – Eine bundesweite Langzeitstudie

Parlamentarier*innen und Bundesministerium bringen erste Langzeitstudie in Deutschland zum Übergang junger Menschen aus Pflegefamilien und Wohngruppen auf den Weg. Die Studie „CLS | Soziale Teilhabe im Lebensverlauf junger Erwachsener – Eine Langzeitstudie“ untersucht über mehrere Jahre hinweg den Übergang junger Menschen von der Heimerziehung (§ 34 SGB VIII) oder dem Aufwachsen in einer Pflegefamilie (§ 33 SGB VIII) ins Erwachsenenleben. Die Projektlaufzeit beginnt im Sommer 2021 und endet im Jahr 2030. Die Untersuchung wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in einer ersten Förderphase zunächst bis Ende 2024 gefördert.
Bericht zur Veranstaltung

Rückblick auf den Fachtag "von Care-Leavern lernen"

Vom Fachtag "von Care-Leavern lernen" - mit dem Untertitel " Übergänge junger Menschen aus stationären Erziehungshilfen" gibt es einen Rückblick und die Veröffentlichung aller Papiere.
Arbeitspapier

SGB VIII - nur noch eine kleine Reform?

Der Arbeitsentwurf des BMFSFJ zum neuen SGB VIII vom 23.08.2016 ist vom Tisch - Anfang 2017 soll es einen Referentenentwurf zu einer kleinen SGB VIII Reform geben.
Bericht zur Veranstaltung

Forschung zum Übergang junger Menschen aus der Erziehungshilfe ins Erwachsenenleben

Tagungsbericht der internationalen und nationalen Expertenworkshops im Projekt „Was kommt nach der stationären Erziehungshilfe? – Gelungene Unterstützungsmodelle für Care Leaver“ (IGfH, Universität Hildesheim)
Bericht zur Veranstaltung

Vielfalt In Pflegeverhältnissen In Deutschland

Am 13. und 14. September 2022 findet in Bonn die von der IGFH organisierte Bundestagung „Vielfalt und ihre strukturelle Rahmung“ zum Leben in Pflegefamilien statt. Durch die Gesetzesänderungen des KJSG hat die Bundesregierung verstärkt auf die Zusammenarbeit aller Beteiligten in der Pflegekinderhilfe hingewiesen. Dies wird besonders durch die Ausrichter der Tagung deutlich: Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH), Forschungsgruppe Pflegekinder der Universität Siegen, Kompetenzzentrum Pflegekinder e.V., PFAD Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien sowie Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft
Stellungnahme

von:

Prüfsteine für ein inklusives Kinder- und Jugendhilferecht

In einer gemeinsamen Stellungnahme vom Dezember 2023 haben die Erziehungsfachverbände IGFH, EREV, BVkE und AFET grundlegenden Prüfsteinen zu einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe erarbeitet und appellieren damit an die Verantwortlichen, die Inklusion in der Kinder- und Jugendhilfe auch voranzubringen.
Bericht zur Veranstaltung

Arbeitsgruppe Weiterentwicklung der Pflegekinderhilfe

Auf Einladung der IGFH traf sich die Arbeitsgruppe „Weiterentwicklung der Pflegekinderhilfe“ zu einem dritten Treffen am 15. April 2013 in Frankfurt am Main
Bericht zur Veranstaltung

Fachimpulse zum Kinder- und Jugendstärkungsgesetz

Eingebettet in die Mitgliederversammlung der IGfH im September 2021 fand eine öffentliche Fachveranstaltung zum neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) statt. Kern-Themen waren "Recht und Beteiligung von jungen Menschen und Eltern", "Inklusion", "Kinderschutz und Kooperation" sowie "Leaving Care".
Stellungnahme

von:

Zwischenruf der IGfH anlässlich der Debatte um die Wirksamkeit ambulanter Hilfen im Kontext von Kindeswohlgefährdungen

Da zunehmend Bundesländer, aber auch Kommunen, sich auf die Wirksamkeit von ambulanten Hilfen im Kontext von Kindeswohlgefährdungen konzentrieren, möchte die Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) mit dem vorliegenden Zwischenruf die Gelegenheit nutzen zu einigen fachlich wie fachpolitischen Erinnerungen