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31.03.2023
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Kindesmisshandlung bleibt eine große Herausforderung

Die Polizeistatistik zur Kindesmisshandlung 2022 verzeichnet 3.516 Fälle körperlicher oder psychischer Gewalttaten und schwerer Vernachlässigung. Oft betrifft eine angezeigte Tat mehrere Opfer. Die Polizeiberatung weist darauf hin, dass es gerade in diesem Bereich eine hohe Dunkelziffer gibt.

Für 2022 verzeichnet die PKS 3.516 Fälle von Kindesmisshandlung – dazu zählen körperliche und psychische Gewalt sowie Vernachlässigung. Wichtig zu wissen ist, dass die Fallzahl nicht den Opferzahlen entspricht, da ein Fall oft mehrere Opfer betrifft. Dementsprechend gab es 2022 bei den 3.516 Fällen insgesamt 4.376 Opfer. 56,5 Prozent davon waren männlich, 43,5 Prozent weiblich. Die Aufklärungsquote lag bei 96,9 Prozent.

Zwar sanken die Zahlen in der PKS zuletzt leicht (2021: 3.599 / 2020: 3.758), dies sind jedoch nur die bei der Polizei angezeigten Fälle. Und gerade bei Kindesmisshandlung muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Denn die Täterinnen und Täter kommen in erster Linie aus dem familiären Umfeld. Hier jedoch ist die Hemmschwelle von Mitwissenden oder Opfern besonders hoch, andere um Hilfe zu bitten oder Anzeige zu erstatten. Typisch für diese Straftaten ist auch, dass gerade junge Opfer aus Scham schweigen. So geben sie sich z.B. oft selbst die Schuld für die Übergriffe; Täterinnen oder Täter reden ihnen diese Schuld auch ein.

In den meisten Fällen kannten sich Opfer und Täter. Von den im Jahr 2022 erfassten Opfern waren 3.633 mit dem oder der Tatverdächtigen verwandt, 108 befreundet oder bekannt. 451 hatten mit dem oder der Tatverdächtigen eine formelle soziale Beziehung in Institutionen, Organisationen oder Gruppen. 79 Betroffene kannten den Täter nicht, bei 105 blieb die Beziehung ungeklärt.

Insgesamt wurden 3.682 Tatverdächtige erfasst (54,2 Prozent davon männlich und 45,8 Prozent weiblich). Die Täterinnen und Täter entstammen allen sozialen Milieus.

Aus der Mitteilung der Kriminalprävention des Bundes und der Länder vom 31. März 2023

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