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Frage und Antwort

Fragen von Pflegeeltern zur Hilfeplanung

Hilfeplanung und der Hilfeplan sind auch für Pflegeeltern in ihrer Arbeit von entscheidender Bedeutung. Demzufolge erhalten wir immer wieder Fragen zu dieser Thematik, die wir hier teilweise zusammenfassen.

Themen:

Grundlegende rechtliche Bedingungen zur Hilfeplanung

Im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) sind es besonders die Paragrafen 36 und 37c, die die Hilfeplanung und den sich daraus ergebenden Hilfeplan als grundsätzlich notwendiges und methodisches Vorgehen des Jugendamtes festlegen.

§ 36 Mitwirkung, Hilfeplan

(1) Der Personensorgeberechtigte und das Kind oder der Jugendliche sind vor der Entscheidung über die Inanspruchnahme einer Hilfe und vor einer notwendigen Änderung von Art und Umfang der Hilfe zu beraten und auf die möglichen Folgen für die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen hinzuweisen. Es ist sicherzustellen, dass Beratung und Aufklärung nach Satz 1 in einer für den Personensorgeberechtigten und das Kind oder den Jugendlichen verständlichen, nachvollziehbaren und wahrnehmbaren Form erfolgen.

(2) Die Entscheidung über die im Einzelfall angezeigte Hilfeart soll, wenn Hilfe voraussichtlich für längere Zeit zu leisten ist, im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte getroffen werden. Als Grundlage für die Ausgestaltung der Hilfe sollen sie zusammen mit dem Personensorgeberechtigten und dem Kind oder dem Jugendlichen einen Hilfeplan aufstellen, der Feststellungen über den Bedarf, die zu gewährende Art der Hilfe sowie die notwendigen Leistungen enthält; sie sollen regelmäßig prüfen, ob die gewählte Hilfeart weiterhin geeignet und notwendig ist. Hat das Kind oder der Jugendliche ein oder mehrere Geschwister, so soll der Geschwisterbeziehung bei der Aufstellung und Überprüfung des Hilfeplans sowie bei der Durchführung der Hilfe Rechnung getragen werden.

(3) Werden bei der Durchführung der Hilfe andere Personen, Dienste oder Einrichtungen tätig, so sind sie oder deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Aufstellung des Hilfeplans und seiner Überprüfung zu beteiligen. Soweit dies zur Feststellung des Bedarfs, der zu gewährenden Art der Hilfe oder der notwendigen Leistungen nach Inhalt, Umfang und Dauer erforderlich ist, sollen öffentliche Stellen, insbesondere andere Sozialleistungsträger, Rehabilitationsträger oder die Schule beteiligt werden. Gewährt der Träger der öffentlichen Jugendhilfe Leistungen zur Teilhabe, sind die Vorschriften zum Verfahren bei einer Mehrheit von Rehabilitationsträgern nach dem Neunten Buch zu beachten.

(4) Erscheinen Hilfen nach § 35a erforderlich, so soll bei der Aufstellung und Änderung des Hilfeplans sowie bei der Durchführung der Hilfe die Person, die eine Stellungnahme nach § 35a Absatz 1a abgegeben hat, beteiligt werden.

(5) Soweit dies zur Feststellung des Bedarfs, der zu gewährenden Art der Hilfe oder der notwendigen Leistungen nach Inhalt, Umfang und Dauer erforderlich ist und dadurch der Hilfezweck nicht in Frage gestellt wird, sollen Eltern, die nicht personensorgeberechtigt sind, an der Aufstellung des Hilfeplans und seiner Überprüfung beteiligt werden; die Entscheidung, ob, wie und in welchem Umfang deren Beteiligung erfolgt, soll im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte unter Berücksichtigung der Willensäußerung und der Interessen des Kindes oder Jugendlichen sowie der Willensäußerung des Personensorgeberechtigten getroffen werden.

§ 37c Ergänzende Bestimmungen zur Hilfeplanung bei Hilfen außerhalb der eigenen Familie

(1) Bei der Aufstellung und Überprüfung des Hilfeplans nach § 36 Absatz 2 Satz 2 ist bei Hilfen außerhalb der eigenen Familie prozesshaft auch die Perspektive der Hilfe zu klären. Der Stand der Perspektivklärung nach Satz 1 ist im Hilfeplan zu dokumentieren.

(2) Maßgeblich bei der Perspektivklärung nach Absatz 1 ist, ob durch Leistungen nach diesem Abschnitt die Entwicklungs-, Teilhabe- oder Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie innerhalb eines im Hinblick auf die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen vertretbaren Zeitraums so weit verbessert werden, dass die Herkunftsfamilie das Kind oder den Jugendlichen wieder selbst erziehen, betreuen und fördern kann. Ist eine nachhaltige Verbesserung der Entwicklungs-, Teilhabe- oder Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie innerhalb eines im Hinblick auf die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen vertretbaren Zeitraums nicht erreichbar, so soll mit den beteiligten Personen eine andere, dem Wohl des Kindes oder Jugendlichen förderliche und auf Dauer angelegte Lebensperspektive erarbeitet werden. In diesem Fall ist vor und während der Gewährung der Hilfe insbesondere zu prüfen, ob die Annahme als Kind in Betracht kommt.

(3) Bei der Auswahl der Einrichtung oder der Pflegeperson sind der Personensorgeberechtigte und das Kind oder der Jugendliche oder bei Hilfen nach § 41 der junge Volljährige zu beteiligen. Der Wahl und den Wünschen des Leistungsberechtigten ist zu entsprechen, sofern sie nicht mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden sind. Wünschen die in Satz 1 genannten Personen die Erbringung einer in § 78a genannten Leistung in einer Einrichtung, mit deren Träger keine Vereinbarungen nach § 78b bestehen, so soll der Wahl nur entsprochen werden, wenn die Erbringung der Leistung in dieser Einrichtung nach Maßgabe des Hilfeplans geboten ist. Bei der Auswahl einer Pflegeperson, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt außerhalb des Bereichs des örtlich zuständigen Trägers hat, soll der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe beteiligt werden, in dessen Bereich die Pflegeperson ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat.

(4) Die Art und Weise der Zusammenarbeit nach § 37 Absatz 2 sowie die damit im Einzelfall verbundenen Ziele sind im Hilfeplan zu dokumentieren. Bei Hilfen nach den §§ 33, 35a Absatz 2 Nummer 3 zählen dazu auch der vereinbarte Umfang der Beratung und Unterstützung der Eltern nach § 37 Absatz 1 und der Pflegeperson nach § 37a Absatz 1 sowie die Höhe der laufenden Leistungen zum Unterhalt des Kindes oder Jugendlichen nach § 39. Bei Hilfen für junge Volljährige nach § 41 gilt dies entsprechend in Bezug auf den vereinbarten Umfang der Beratung und Unterstützung der Pflegeperson sowie die Höhe der laufenden Leistungen zum Unterhalt. Eine Abweichung von den im Hilfeplan gemäß den Sätzen 1 bis 3 getroffenen Feststellungen ist nur bei einer Änderung des Hilfebedarfs und entsprechender Änderung des Hilfeplans auch bei einem Wechsel der örtlichen Zuständigkeit zulässig.

Gerade die o.a. Paragrafen machen deutlich, wie bedeutsam ein klarer und mit allen Beteiligten vereinbarter Hilfeplan für die Hilfegewährung ist. Besonders wichtig: Alle Vereinbarungen müssen dokumentiert sein und können nur verändert werden, wenn sich auch der Bedarf des Kindes oder der Pflegeeltern ändert. 

Fragen von Pflegeeltern zum Hilfeplan

Wer kann (sollte) alles an einem Hilfeplangespräch teilnehmen?

Dies sind die Personensorgeberechtigten, die Eltern, das Kind oder der Jugendliche, die Pflegeeltern. Je nach Bedarf müssen auch andere für das Kind wichtige Personen hinzugezogen werden. Das könnten z.B. sein: Großeltern, Therapeuten, Lehrer, Kindergärtnerinnen, Ärzte. Das Hilfeplangespräch wird vom Jugendamt organisiert und die zu beteiligenden Personen eingeladen. Natürlich sollen an diesem Gespräch auch die begleitenden Fachkräfte der Pflegekinderdienste - sowohl des Jugendamtes als auch die der betreuenden freien Träger - teilnehmen.

Haben wir Pflegeeltern auch ein Anrecht auf ein Protokoll des letzten Hilfeplangesprächs?

Ja selbstverständlich. Dieser Hilfeplan betrifft natürlich auch Sie und Ihre Arbeit und Ihre Aufgaben mit dem Kind. Sie sind Beteiligte an der Aufstellung und Überprüfung des Hilfeplans und haben somit das Protokoll des Hilfeplangespräches auch zu bekommen. Bitte achten Sie darauf, dass alles, was im Hilfeplangespräch vereinbart wurde, auch im Protokoll des Jugendamtes dokumentiert wurde. 

Reicht es, wenn die Sozialarbeiterin des PKD und wir Pflegeeltern Vereinbarungen telefonisch machen?

Die Art und Weise der Zusammenarbeit der verschiedenen Beteiligten, die Ziele der Unterbringung des Kindes in der Pflegefamilie und die Leistungen des Jugendamtes müssen im Hilfeplan dokumentiert - also verschritlicht- werden. Nur dann können Sie sich einwandfrei auf das Vereinbarte verlassen und auch nur dann darauf hinweisen. Es ist daher wichtig, dass telefonisch gemachte Vereinbarungen entweder zeitlich sehr nah oder in einem bereits terminisierten Hilfeplangepräch besprochen und dokumentiert werden. 

Gilt ein Hilfeplan auch ohne unsere Unterschrift?

Er gilt schon – und zwar in dem Sinne, dass Leistungen besprochen und Vereinbarungen gemacht wurden. Ob sie aber von allen Beteiligten im gleichen Sinne verstanden und auch eingehalten werden ist eher erkennbar, wenn diese das Protokoll auch lesen und unterschreiben.

Müssen die Herkunftseltern an dem Hilfeplangespräch teilnehmen?

Wenn Sie das Sorgerecht für das Kind haben ist ihre Teilnahme nötig, wenn nicht, müssen sie nicht, können aber. Wenn es zwischen Pflegekind und seinen Herkunftseltern Besuchskontakte gibt, macht es natürlich viel Sinn, diese im Hilfeplangespräch auch besprechen zu können.

Was ist, wenn wir mit dem Protokoll des Hilfeplangesprächs so nicht einverstanden sind?

Dann sollten Sie unmittelbar nach Erhalt des Protokolls eine entsprechende schriftliche Äußerung gegenüber dem Jugendamt abgeben, aus der hervorgeht, warum Sie damit nicht einverstanden sind und dass Sie eine entsprechende Änderung wünschen. Bitte machen Sie solche Dinge nicht per Telefon sondern wirklich schriftlich. Schauen Sie hier bei moses-online unter Musteranträge, dort haben wir einen entsprechendes Schreiben aufgesetzt. 

Wir haben jetzt zwei Jahre kein Hilfeplangespräch mehr gehabt – können wir das einfordern?

Da Sie Beteiligte an der Hilfeplanung sind können Sie das meinem Verständnis nach durchaus einfordern. Besonders dann, wenn bisherige Inhalte des Hilfeplans so nicht mehr stimmen und Entwicklung oder Bedarf des Kindes oder der Pflegeeltern andere Vereinbarungen nötig machen sollten. Besonders wichtig ist ein Hilfeplan aber im letzten Jahr vor der Volljährigkeit, weil darin schon der Übergang zur Hilfe für junge Volljährige angegangen werden kann. 

Letzte Aktualisierung am: 
10.07.2024

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